Lungenkrebs verstehen

Früherkennung

Die Warnzeichen beim Lungenkarzinom sind leider wenig typisch und Symptome, wie Kurzatmigkeit, hartnäckiger Husten und Brustschmerzen treten meist erst in fortgeschrittenen Stadien auf. Eine konkrete, zeitlich definierte Vorsorgeuntersuchung wie bei Brust- oder Darmkrebs, die ein Lungenkarzinom sicher früh erkennt, gibt es bei Lungenkrebs in Deutschland aktuell leider noch nicht. 

Stattdessen wird allgemein eine gute Vorbeugung empfohlen. So kann das Lungenkrebsrisiko zum Beispiel durch einen Rauchstopp verringert werden. Auch körperliche Aktivität sowie eine gesunde Ernährung dienen der Lungenkrebsvorbeugung.

Was es allerdings gibt, sind spezielle Vorsorgeuntersuchung für Menschen aus Risikogruppen. Für die Einordnung in eine Risikogruppe spielt es beispielsweise eine Rolle, ob und wie viel geraucht wird, ob es regelmäßige Kontakte zu Stoffen wie Asbest gibt und wie der allgemeine körperliche Zustand ist. 

 

Falls Du eine Person mit erhöhtem Risiko sein solltest, gibt es in spezialisierten Zentren Screeningverfahren, welche ermöglichen, Lungenkrebs frühzeitig zu erkennen und bestenfalls sogar zu vermeiden.  

Screenings

Früherkennung von Lungenkrebs

Ziel eines Screenings ist es, Lungenkarzinome so früh wie möglich zu erkennen. Kleine oder örtlich begrenzte Tumore können besser behandelt werden als große oder bereits metastasierte. Sogar anhand von Gewebeveränderungen können Krebsvorstufen erkannt werden, obwohl sie zu dem Zeitpunkt noch keine Beschwerden verursachen. Für Personen in einem Alter von 50–75 Jahren ist ab dem 1. Juli 2024 die Untersuchung der Lunge mittels Niedrigdosis-Computertomographie (LD-CT) zur Lungenkrebsfrüherkennung unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich zulässig. Bei der LD-CT handelt es sich um ein Röntgenverfahren, das schonend ist und bereits kleine Lungentumore darstellen kann. Es erzeugt in wenigen Minuten Schnittbilder des Brustraums, auf denen Ärzt:innen nach Veränderungen in der Lunge suchen.

Zu den Voraussetzungen zählen u. a. eine mehr als 12 Monate zurückliegende CT-Untersuchung der Lunge. Zielgruppe des Screenings sind Personen, die mindestens über einen Zeitraum von 25 Jahren geraucht haben, davon 15 Jahre lang mindestens eine Packung pro Tag. Außerdem darf es keinen Rauchstopp von mehr als 10 Jahren gegeben haben. Über die gesetzliche Erstattungsfähigkeit wird zurzeit noch verhandelt.   

Wichtig ist, zu bedenken, dass ein Screening zwar die Chance auf bessere Behandlungsmöglichkeiten und so längeres Überleben bietet, es aber keinen Schutz vor Lungenkrebs bedeutet. Außerdem kann es durch eine Früherkennung auch zu einem falschen Alarm kommen, der für die Patient:innen natürlich beunruhigend ist. Besonders im hohen Alter besteht auch das Risiko einer Überdiagnose. Dabei wird ein Tumor entdeckt, der zu Lebzeiten der/des Patient:in keine Beschwerden mehr verursachen würde, aber durch das Wissen darüber oder eine eventuell folgende Übertherapie die Lebensqualität der/des Betroffenen beeinträchtigt. 

In Deutschland gibt es bisher leider noch keine geregelte Früherkennung für Lungenkrebs. Es gibt allerdings einige Studien, die sich damit befassen, wie im Folgenden erklärt.  

Lungencheck Programm

Die HANSE-Studie

Eine der erwähnten Studien ist die HANSE-Studie im Rahmen des HANSE Lungencheck Programm. Diese Studie startete im Juli 2021 und ist das bisher größte deutsche Programm zur Früherkennung von Lungenkrebs. In einem mobilen Studien-Truck an den Standorten Lübeck, Großhansdorf bei HH und Hannover, wurden Raucher:innen, ehemalige Raucher:innen und andere Risikopatient:innen zwischen 55 und 79 Jahren kostenlos auf Lungentumore untersucht. Als Ergebnis konnten bei 5.191 teilnehmenden Risikopatient:innen im ersten Durchgang 64 Lungenkrebserkrankungen diagnostiziert werden, davon die Hälfte im Stadium I.

 

Diese Studienergebnisse sind für die Früherkennung von Lungenkrebs vor allem deshalb relevant, da sie wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die Identifizierung von Risikogruppen liefern.

Strategien zur Vermeidung

Lungenkrebs vorbeugen

Die bisher beste Methode, dem Lungenkrebs vorzubeugen, ist, Risikofaktoren zu meiden. Dazu gehört an erster Stelle, das Rauchen aufzugeben oder bestenfalls gar nicht erst anzufangen. 

Tipps und Materialen zur Förderung des Nichtrauchens findest du z. B. auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). 
Die Seite www.rauchfrei-info.de bietet dir zusätzlich kleine digitale Alltagshilfen für die Entscheidung und den Einstieg zum Nichtrauchen. 

Aber selbst, wenn du nicht rauchst, kann es dir ebenfalls schaden, wenn Andere es in deiner Gegenwart tun. Auch andere äußere Einflüsse können Risikofaktoren darstellen z.B. Gefahrenstoffe am Arbeitsplatz in Industriebetrieben oder Schadstoffe in der Luft.  

Quellen

Griesinger F et al. Onkopedia Leitlinien. Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (SCLC), Stand: November 2022. URL: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@guideline/html/index.html#ID0EJKAC (zuletzt aufgerufen: April 2024).

 

Deutsches Krebsforschungszentrum, LUNGENKREBS-FRÜHERKENNUNG: Bislang noch nicht in Deutschland, Stand: Januar 2024, URL: https://www.krebsinformationsdienst.de/service/iblatt/iblatt-lungenkrebs-frueherkennung.pdf (zuletzt aufgerufen: April 2024).

 

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V., Früherkennung von Lungenkrebs: Medizinische Fachgesellschaften stellen erstmal Eckpunkte eines nationalen Screening-Programms vor, Stand Oktober 2023, URL: https://pneumologie.de/aktuelles-service/presse/pressemitteilungen/frueherkennung-von-lungenkrebs-medizinische-fachgesellschaften-stellen-erstmals-eckpunkte-eines-nationalen-screening-programms-vor#:~:text=Konkret%20soll%20sich%20das%20Lungenkrebs,weniger%20als%20zehn%20Jahre%20zur%C3%BCckliegt. (zuletzt aufgerufen: April 2024).

 

Vogel-Claussen J et al. Thieme. 2022; 194(S 01): S50. 

 

The LungAmbition Alliance, Erste Ergebnisse aus der HANSE-Studie: Einschlusskriterien, URL: https://www.lungambitionalliance.de/home/News/hanse-erste-ergebnisse.html (zuletzt aufgerufen Februar 2024). 

 

Vogel-Claussen J et al. Effectiveness of NELSON versus PLCOm2012 lung cancer screening eligibility criteria: First results from the German HANSE study. Oral presentation, IASIC 2023, Singapore. 

 

Bundesministerium für Justiz. Verordnung über die Zulässigkeit der Anwendung der Niedrigdosis-Computertomographie zur Früherkennung von Lungenkrebs bei rauchenden Personen (Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung – LuKrFrühErkV), Stand: 2024, URL: https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2024/162/VO.html (zuletzt aufgerufen: Juni 2024).

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