Christian Züricher, 70, Schriftsteller:
"Manche Dinge fallen leichter, wenn man einen Vertrauten an seiner Seite hat."

Therapiemöglichkeiten

Ein allgemeiner Überblick

Lungenkrebs ChecklisteOb Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie oder zielgerichtete Therapie - welche Methode jeweils zum Einsatz kommt, hängt in erster Linie von der Tumorart und dem Erkrankungsstadium ab.





Neben der Art des Tumors – ob kleinzellig oder nicht-kleinzellig – und der Verfassung des Patienten richtet sich die Therapie vor allem danach, wie weit fortgeschritten die Erkrankung ist. Bevor die Behandlung beginnen kann, sind deshalb umfassende Untersuchungen notwendig. Mit ihrer Hilfe können die Ärzte feststellen, wie weit sich der Krebs bereits ausgebreitet hat.

Lungenkrebs Leitfaden Orientierung

Wie sehen die Therapieziele aus?

Der Arzt klärt seinen Patienten darüber auf, welche Therapien für ihn speziell infrage kommen. Für welche Therapie sie sich dann gemeinsam entscheiden, hängt auch davon ab, ob eine Heilung möglich ist oder die Therapie ein möglichst langes und weitgehend beschwerdefreies Leben ermöglichen soll. Im Zentrum steht dabei die Lebensqualität des Patienten. Die Betroffenen sehen sich unter Umständen vor der Herausforderung, eine begrenzte verbleibende Lebenszeit akzeptieren zu müssen. Versuchen Sie als Betroffener mit Ihrem Arzt möglichst offen darüber zu sprechen, damit er die Behandlungsmaßnahmen auf Ihre Pläne und Wünsche abstimmen kann.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich stehen für die Behandlung von Lungenkrebs die Operation, die Chemotherapie, die Strahlentherapie und zielgerichtete Therapien zur Verfügung.

Operation: Nur bei wenig ausgedehnten Tumoren

Bronchialkarzinom Mensch Lunge Die Operation spielt vor allem beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs eine Rolle. Kleinzelliger Lungenkrebs wächst oft sehr schnell und breitet sich frühzeitig über die Lymph- und Blutwege im ganzen Körper aus. Eine Operation ist dann meist nicht sinnvoll, da der Tumor nicht komplett entfernt werden kann. Es gibt aber auch Operationen in Fällen, in denen aufgrund der Tumorgröße Nachbarorgane abgedrückt werden.

Eine Operation kommt vor allem infrage, wenn der Tumor noch nicht zu groß ist und keine Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, in anderen Organen gebildet hat. Auch der Zustand des Patienten spielt eine Rolle.

Vor dem Eingriff erfolgen Lungenfunktionsprüfungen, um sicherzustellen, dass die verbleibenden Lungenabschnitte die Atemfunktion ausreichend übernehmen können. Oftmals muss ein Lungenlappen, bei sehr großen Tumoren auch ein ganzer Lungenflügel entfernt werden.


Chemotherapie mit großer Bedeutung für die meisten Patienten

Lungenkrebs Mensch Lunge Die Chemotherapie spielt bei der Behandlung von Lungenkrebs nach wie vor für die meisten Patienten eine sehr große Rolle. Kleinzellige Tumoren werden grundsätzlich mit Chemotherapie behandelt, da sie besonders sensibel darauf reagieren. Bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs empfiehlt man in frühen Stadien die Chemotherapie im Anschluss an die Operation als sogenannte adjuvante Therapie. Im Spätstadium, wenn der Tumor bereits entfernt gelegene Lymphknoten oder andere Organe befallen hat, kann eine Chemotherapie in Kombination mit Strahlentherapie oder mit einer zielgerichteten Therapie erfolgen.

Der Begriff Chemotherapie bezeichnet die Behandlung bösartiger Tumoren mit chemischen Substanzen, die die Vermehrung der Krebszellen hemmen. Diese nennen Mediziner Zytostatika, der Begriff leitet sich aus den griechischen Wörtern kytos = Zelle und statikos = zum Stehen bringend ab. Die Medikamente wirken vornehmlich auf Zellen, die sich gerade in der Vermehrungsphase befinden und teilungsaktiv sind. Der Effekt ist umso größer, je schneller sich die Zellen vermehren. Das ist besonders bei kleinzelligem Lungenkrebs der Fall, aber auch bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs ist die Chemotherapie wirksam.

Eine Chemotherapie wirkt systemisch, d.h. im ganzen Körper. Die meist als Infusion verabreichten Wirkstoffe verteilen sich in allen Organen und können so nicht nur den Krebs in der Lunge selbst, sondern auch bereits gestreute Krebszellen erreichen und zerstören.

Die Behandlung erfolgt in Intervallen, sogenannten Zyklen, wobei Behandlungsphasen mit Behandlungspausen abwechseln. In der Behandlungspause soll der Körper die Möglichkeit bekommen, angegriffenes gesundes Gewebe zu regenerieren, das sich oftmals schneller von einer Chemotherapie erholt als Tumorgewebe. Es werden mehrere Zyklen durchgeführt, um auch solche Tumorzellen zu erfassen, die sich zuvor gerade in einer Ruhephase befanden und die die Therapie daher nicht beeinflussen konnte.

Es gibt verschiedene Wirkstoffklassen der Zytostatika, die in verschiedenen Kombinationen eingesetzt werden können. Dadurch hofft man, so viele Tumorzellen wie möglich zu erreichen.

Welche unerwünschten Wirkungen kann die Chemotherapie haben?

Lungenkrebs TherapieübersichtObwohl Krebszellen aufgrund ihrer hohen Teilungsrate besonders empfindlich auf Zytostatika reagieren, können diese auch gesunde Körperzellen schädigen. Beeinträchtigt werden vor allem solche Zellen, die selbst eine hohe Vermehrungsaktivität aufweisen. Dazu gehören vor allem die Zellen der Mundschleimhaut, die Schleimhautzellen in Magen und Darm, die blutbildenden Zellen des Knochenmarks sowie die Haarwurzelzellen.

Mögliche Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind:


  • Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Bauchschmerzen
  • Haarausfall
  • Störungen der Blutbildung (Blutarmut) und Blutgerinnung (erhöhte Blutungsneigung)
  • erhöhtes Infektionsrisiko
  • schwere anhaltende Erschöpfungszustände (Fatigue)
  • Störungen des Konzentrationsvermögens und Beeinträchtigung des Gedächtnisses
  • Störungen des Menstruationszyklus
  • Schädigung der Keimdrüsen und Störung der Fortpflanzungsfähigkeit

Einige der Nebenwirkungen können innerhalb weniger Stunden oder Tage nach Behandlungsbeginn auftreten, andere erst nach Monaten oder sogar Jahren. Der Umfang der Nebenwirkungen hängt in erster Linie von der Art und Dosis der eingesetzten Zytostatika sowie der Behandlungsdauer ab. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt auch die körperliche Verfassung des Patienten. Es gibt jedoch effektive therapeutische Maßnahmen, die einige Nebenwirkungen mildern oder gar verhindern können.

Lungenkrebs Checkliste Arzt

Strahlentherapie

Lungenkrebs PatientEine Strahlentherapie wird bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs erst in fortgeschrittenen Stadien (III und IV) und nur in Kombination mit einer Chemotherapie empfohlen. Bei kleinzelligem Lungenkrebs erfolgt im begrenzten Stadium eine Bestrahlung zusätzlich zur Chemotherapie, wenn bereits Lymphknoten befallen sind oder wenn bei einer vorangegangenen Operation nicht das gesamte Tumorgewebe entfernt werden konnte.

Auch eine vorbeugende Bestrahlung des Gehirns ist möglich, um Tochtergeschwülste zu verhindern. In späteren Krankheitsstadien können Metastasen bestrahlt werden, um Beschwerden zu lindern.

Welche Folgen kann die Strahlentherapie haben?

Dank verbesserter Methoden ist die Bestrahlung bösartiger Tumoren heute sehr präzise und dadurch verträglicher. Dennoch sind Nebenwirkungen möglich. So kann in der Bestrahlungsregion eine Reizung der Haut auftreten, die einem Sonnenbrand ähnelt. Manche Patienten reagieren auf die Bestrahlung mit Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen. Diese Symptome halten in der Regel jedoch nicht lange an. Mögliche Spätschäden der Bestrahlung sind Geschwüre der Haut.

Zielgerichtete Therapie: Punktgenau gegen Krebszellen vorgehen

Bronchialkarzinom PatientModerne zielgerichtete Therapien wirken in erster Linie gegen die Krebszellen. Sie unterbinden beispielsweise gezielt die Blutversorgung des Tumorgewebes, hemmen Faktoren, die das Tumorwachstum unterstützen oder stören die Kommunikation zwischen den Krebszellen. Gesunde Körperzellen dagegen werden oft nur wenig oder gar nicht beeinträchtigt, weshalb sich die Medikamente durch eine insgesamt gute Verträglichkeit auszeichnen.

Ein Therapieprinzip ist dabei die Hemmung des Blutgefäßwachstums, die das Ziel verfolgt, den Tumor "auszuhungern". Ab einer Größe von zwei bis drei Millimetern braucht ein Tumor Blutgefäße, die ihn mit Nahrung und Sauerstoff versorgen. Er produziert deshalb bestimmte Substanzen, die vaskulären endothelialen Wachstumsfaktoren (abgekürzt VEGF), die das Wachstum neuer Blutgefäße auslösen. Empfänger des VEGF sind bestimmte Zellen benachbarter Blutgefäße, die auf ihrer Oberfläche "Antennen" zum Empfang des VEGF-Signals besitzen. Bindet VEGF an diese "Antennen", auch VEGF-Rezeptoren genannt, wird das Signal weitergeleitet und die Blutgefäßzellen werden zum Wachstum angeregt.

Neuartige Medikamente, die Angiogenese-Hemmer, können die Wachstumssignale für die Blutgefäße ausschalten. Dadurch werden keine neuen, den Tumor versorgenden, Blutgefäße gebildet. Nährstoffe gelangen nicht mehr in den Tumor - der Tumor kann nicht weiter wachsen und Tumorzellen sterben ab.

Ein anderes Therapieprinzip verfolgen die sogenannten EGFR-Tyrosinkinase-Hemmer. Dies sind moderne Arzneimittel, die als Tablette eingenommen werden, zielgerichtet die Signalübertragung in Tumorzellen blockieren und auf diese Weise das Tumorwachstum einschränken. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass diejenigen Patienten von einem für die Erstlinientherapie des nicht-kleinzelligen Lungenkrebes (NSCLC) zugelassenen Medikament profitieren, bei denen im entnommenen Tumorgewebe sogenannte "EGFR-Mutationen" nachgewiesen wurden ("EGFR M+" bzw. "mutationspositiv").
 
Ist der Lungenkrebspatient für eine Erstlinien-Therapie mit einem Tyrosinkinase-Inhibitor geeignet, dann ist diese im Vergleich zur Chemotherapie wahrscheinlich besser wirksam und darüber hinaus auch besser verträglich. Doch es können unter anderem anderem Durchfälle oder Hautauschläge, rote Pusteln wie bei einer Akne, vorkommen. Meistens breitet sich der Ausschlag vor allem im Gesicht und am Oberkörper aus.

Lindernde Behandlung im fortgeschrittenen Stadium

Im weit fortgeschrittenen Stadium einer Lungenkrebserkrankung und wenn sich keine wirksamen Behandlungsoptionen gegen den Krebs mehr anbieten, geht es bei der Behandlung vor allem darum, auftretende Beschwerden zu lindern und das Befinden des Patienten zu verbessern. Eine wirksame Schmerztherapie steht dabei im Vordergrund. Darüber hinaus kommen Maßnahmen zum Einsatz, die sich gezielt gegen bestimmte Beschwerden richten, z.B. Operationen bei lebensbedrohlichen Blutungen oder metastasenbedingten Knochenbrüchen.

Lesen Sie mehr zum Thema:

  • Umgang mit der Diagnose Krebs
  • Erfolgsaussichten der Behandlung

 

Quellen:
Goeckenjan G et al.: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Interdisziplinäre S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft. Pneumologie 2010; 64(Suppl 2):e1-e164

Molina JR et al.: Non-small cell lung cancer: epidemiology, risk factors, treatment, and survivorship. Mayo Clin Proc 2008; 83(5):584-594

Pisters KMW et al.: Cancer Care Ontario and American Society of Clinical Oncology adjuvant chemotherapy and adjuvant radiation therapy for stages I-IIIA resectable non small-cell lung cancer guideline. J Clin Oncol 2007; 25(34): 5506-5518

Autor:
Kathrin Sommer

Bildnachweis:
Abb.5 (Infusionsbeutel). © Rob Byron – Fotolia.com

Quelle: http://www.lungenkrebs.de