Christian Züricher, 70, Schriftsteller:
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Ursachen

Verschiedene Auslösefaktoren

Lungenkrebs Ursachen Für die Entstehung von Lungenkrebs sind vor allem äußere Faktoren verantwortlich. Dazu gehören: aktives Rauchen, das radioaktive Gas Radon, passives Rauchen, krebserregende Substanzen z.B. am Arbeitsplatz und Luftverschmutzung.

 

Nach wie vor versuchen Forscher herauszufinden, warum Lungenkrebs entsteht und welche Mechanismen dahinter stehen. Sicher ist, dass bestimmte krebsauslösende Faktoren, die in den Stoffwechsel der Lungenzellen eingreifen, an der Entstehung von Lungenkrebs beteiligt sind. Sie stören den normalen Lebenszyklus einer Zelle: von Entstehung, über Funktionserfüllung bis hin zum Absterben.

Das Erbgut der Zellen steuert diese Abläufe: Abhängig vom Zelltyp und anderen Faktoren werden in gesunden Zellen bestimmte Bereiche des Erbguts ein- und andere ausgeschaltet. Krebsauslösende Faktoren greifen in dieses Zusammenspiel ein und bewirken etwa, dass eine Zelle, deren Lebenszyklus abgelaufen ist, sich erneut zu teilen beginnt.

Der Körper verfügt über zahlreiche Kontrollmechanismen, die derartige Abweichungen vom normalen Zellverhalten zumeist rasch und zuverlässig korrigieren. In seltenen Fällen wächst eine Zelle jedoch trotz der Korrekturmaßnahmen unkontrolliert weiter. Dann entsteht Krebs. Wie groß die Gefahr für Lungenkrebs ist, hängt entscheidend damit zusammen, welchen krebserregenden Einwirkungen und in welcher Menge der Körper ausgesetzt ist.

Aktives und passives Rauchen

Lungenkrebs Ursache Zigarette Mit großem Abstand ist das aktive Rauchen der wichtigste Auslöser von Lungenkrebs. Es zeichnet sich für rund 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle verantwortlich (bei Frauen ca. 65 %). Als besonders gefährlich hat sich dabei das Rauchen von Zigaretten erwiesen, da sie milder als Zigarren oder Pfeife sind und ihr Rauch deshalb tiefer in die Lunge inhaliert wird. Zigarren- und Pfeifenrauch sind jedoch keinesfalls weniger gefährlich. Sie verursachen lediglich ein anderes Muster von Krebserkrankungen. So sind durch Zigarren- und Pfeifenrauch vorwiegend der Mund-, Rachen-, und Kehlkopfbereich betroffen.

Tabakrauch birgt eine Vielzahl lungenkrebsauslösender Stoffe. Der Rauch einer Zigarette enthält hunderte unterschiedlicher Substanzen, von denen zahlreiche krebserregend sind. Zu nennen sind etwa:

  • Vielfältige Kohlenwasserstoffverbindungen, darunter sogenannte polyzyklische Kohlenwasserstoffe wie das besonders gefährliche Benzo(a)pyren, das bestimmte Krebsbekämpfungsmechanismen im Körper außer Funktion setzt.
  • Teer ist ein Gemisch aus zahlreichen Kohlenstoffverbindungen, von denen viele als giftig oder krebserregend gelten. Es hat sich erwiesen, dass die beim Rauchen aufgenommene Teermenge unabhängig von den Angaben auf der Zigarettenpackung ist: Filterlose, Filter- und Light-Zigaretten führen zu der gleichen Teerbelastung! Raucher scheinen ihren Rauchstil an die jeweilige Zigarettenart anpassen, vermuten Experten, sodass sich im Endeffekt die gleiche Belastung ergibt.
  • Feinstaub lagert sich oft fest an das Lungengewebe an und wird dann nicht wieder ausgeatmet. Feinstaub selbst ist zwar nicht krebserregend, oft haften jedoch gefährliche Substanzen wie z.B. Benzo(a)pyren auf der Oberfläche der Staubpartikel. Sie wirken dadurch langfristig auf das Lungengewebe ein. Die Feinstaubbelastung in Innenräumen durch Zigarettenrauch kann um ein Vielfaches über der Feinstaubbelastung an stark befahrenen Autostraßen liegen.
  • Radioaktive Substanzen wie das chemische Element Polonium und eine radioaktive Bleiform, die sich aufgrund des Stoffwechsels der Tabakpflanze im Tabak anreichern, können zu einer erheblichen Strahlenbelastung des Lungengewebes führen.

Passivrauchen ist nach dem aktiven Rauchen und der Belastung durch Radon (s.u.) die dritthäufigste Ursache von Lungenkrebs. Im Prinzip sind Passivraucher den gleichen Schadstoffen ausgesetzt wie aktive Raucher. Allerdings ist die Konzentration der krebsauslösenden Substanzen in der Atemluft zumeist geringer.

Passivraucher haben gegenüber der nicht rauchenden Bevölkerung ein bis zu fünffach erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Kinder, die in Raucherhaushalten aufwachsen, weisen im späteren Leben ein 3,6-fach erhöhtes Risiko für Lungenkrebs auf, selbst wenn sie niemals rauchen werden. Raucher sollten deswegen unbedingt vermeiden, Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte dem Rauch ihrer Zigaretten auszusetzen.

Radon

Radon ist ein natürlich vorkommendes Gas, das radioaktiv zerfällt. Zwei der Zerfallsprodukte geben eine radioaktive Strahlung ab, die zwar nur über Entfernungen von wenigen Millimetern hinweg schädlich ist, das Erbgut jedoch besonders stark in Mitleidenschaft ziehen kann (Alphastrahlung). Radon entweicht natürlicherweise aus dem Erdboden, aber auch Baumaterialien wie Beton können in bestimmten Fällen das Gas freisetzen.

Lungenkrebs Ursache RadonDie Belastung durch Radon kann sich aufgrund der jeweiligen Bodenzusammensetzung selbst von einer zur anderen Straßenseite unterscheiden. Am höchsten ist die Radonbelastung in Erdgeschoss und Keller von Gebäuden, während sie in den oberen Etagen stark abnimmt, falls nicht das verwendete Baumaterial selbst Radon abgibt. Nach aktuellen Schätzungen gehen rund zehn Prozent aller Fälle von Lungenkrebs auf Radon zurück.

Krebserregende Substanzen am Arbeitsplatz

Der Umgang mit krebserregenden Stoffen am Arbeitsplatz unterliegt in der Regel strengen Auflagen und Kontrollen. Für Beschäftigte, die mit derartigen Gefahrstoffen umgehen, gelten oft höhere Grenzwerte als für die Durchschnittsbevölkerung. Die höhere Belastung ist aufgrund der intensiveren Kontrollen jedoch vertretbar. Insbesondere bei Unfällen kann es aber zu Belastungen durch die Gefahrstoffe kommen.

Krebsauslösende Substanzen am Arbeitsplatz können sehr unterschiedlicher Natur sein. Beispiele sind Asbestfasern, eine Vielzahl von chemischen Verbindungen wie polyzyklische Kohlenwasserstoffe, Staub in Uran-Bergwerken oder auch der Zigarettenqualm des rauchenden Kollegen.

Luftverschmutzung

Lungenkrebs Ursache LuftverschmutzungDer Straßenverkehr, Kraftwerke, Industriebetriebe und Heizungen belasten die Luft mit Schadstoffen, die Krebs auslösen können. Feinstaub und Verbrennungsprodukte (polyzyklische Kohlenwasserstoffe u.a.) setzen den Körper sogenanntem oxidativen Stress aus. Dabei entstehen sehr aggressive Sauerstoffverbindungen, die zu Entzündungsprozessen im Körper führen und letztlich Krebs auslösen können.

Spielen die Erbanlagen eine Rolle?

Die individuellen Erbanlagen beeinflussen zum Beispiel, wie der Körper auf krebserregende Substanzen oder auf radioaktive Strahlung reagiert. Manche Menschen sind daher anfälliger für Lungenkrebs als andere. So gibt es einige wenige Personen, die ihr Leben lang stark rauchen können, ohne gesundheitliche Probleme zu bekommen. Bei ihnen arbeiten die Schutzmechanismen des Körpers besonders zuverlässig. Andere entwickeln infolge des Rauchens bereits in jungen Jahren chronische Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs oder schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil die Schutzmechanismen nur schlecht mit den krebsauslösenden Faktoren zurechtkommen.

Die Anfälligkeit der meisten Menschen liegt zwischen diesen Extremen. Bisher ist es allerdings nicht möglich vorherzusagen, wie gut oder schlecht ein einzelner Mensch das Rauchen oder andere potenzielle Auslöser von Lungenkrebs verträgt. Nach Möglichkeit sollten daher alle Risikofaktoren gemieden werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter:

Quellen:
Alberg AJ et al.: Epidemiology of lung cancer. ACCP evidence-based clinical practice guidelines (2nd Edition). Chest 2007; 132(3 Suppl):29S-55S
Copes R, Scott J: Radon exposure: can we make a difference? CMAJ 2007; 177(10):1229-1231

Dales R et al.: Quality of indoor residential air and health. CMAJ 2008; 179(2):147-152
Desideri D et al.: 210Po and 210Pb inhalation by cigarette smoking in Italy. Health Phys 2007; 92(1):58-63

Goeckenjan G et al.: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Interdisziplinäre S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft. Pneumologie 2010, 64(Suppl 2):e1-e164

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Molina JR et al.: Non-small cell lung cancer: epidemiology, risk factors, treatment, and survivorship. Mayo Clin Proc 2008; 83(5):584-594

Autor:
Jan Groh

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Quelle: http://www.lungenkrebs.de