Sozialrecht
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Sozialrecht

Welche Rechte und Ansprüche auf bestimmte Leistungen habe ich während der verschiedenen Phasen der Erkrankung? Was gibt es wichtiges zur Reha oder der Anschlussbehandlung zu wissen und wie sieht der berufliche Wiedereinstieg aus? Der Diplom Sozialpädagoge Manfred Hägele verfügt über langjährige Erfahrung in der Sozialrechtsberatung und klärt zu diesen Fragestellungen auf:

1. Wer zahlt wann bei Arbeitsunfähigkeit?

Die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • bis 6 Wochen: Entgeldfortzahlung vom Arbeitgeber → 100% vom Nettogehalt
  • 6 – 78 Wochen: Krankengeld von der Krankenkasse → 70% vom Bruttolohn, jedoch nicht mehr als 90% vom Nettolohn
  • Ab 78 Wochen: Arbeitslosengeld als Überbrückungsleistung beantragen, währenddessen Antrag auf Erwerbsminderungsrente bei der Rentenversicherung

2. Privatversichert

Die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • Es gibt einen Basistarif, der vom Leistungsumfang der gesetzlichen KV entspricht
  • Beiträge können in bestimmten Fällen halbiert werden
  • Bezieht man Sozialleistungen werden Zuschüsse vom Amt gewährt

3. Reha & Anschlussheilbehandlung

Die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • Kostenträger: Krankenversicherung oder Rentenversicherung
  • AHB sollte 2 Wochen nach stationärem Aufenthalt erfolgen
  • Reha: normalerweise 3 Wochen mit Option auf Verlängerung
  • Onkologische Reha: nach Bestrahlung oder Chemo innerhalb eines Jahres

4. Beruflicher Wiedereinstieg

Die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • Stufenweise Wiedereingliederung = Hamburger Modell
  • Eingliederung erfolgt meist 4 Wochen nach der medizinischen Reha
  • Bei einem ungeeigneten Arbeitsplatz ist eine Umschulung möglich, ggf. kann eine innerbetriebliche Versetzung in Betracht gezogen werden
  • Nicht mehr Arbeitsfähig: Anspruch auf Erwerbsminderungsrente

5. Zuzahlungen

Die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • Zuzahlungen können ab dem 18. Lebensjahr anfallen
  • Arznei- & Verbandsmittel:
    Preis des Medikaments < 5€ = Originalpreis
    Preis des Medikaments 5-50€ = 5€
    Preis des Medikaments 50-100€ = 10% des Medikaments
    Preis des Medikaments >100€ = 10€
  • Heilmittel: 10% der Kosten bis max. 10€
  • Hilfsmittel: 10%, min 5€, max 10€
  • AHB: 10€/Tag, für max 28 Tage
  • Fahrtkosten: 10%, min 5€, max 10€

6. Häusliche Pflege & Pflegestufe

Die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • Zuzahlung 10% der Kosten, maximal 28 Tage
  • Haushaltshilfe kann beantragt werden, wenn Kinder unter 12 sind
  • Pflegestufe muss bei der Pflegekasse beantragt werden
  • Je unselbstständiger man ist, desto höher ist die Pflegestufe
  • Man muss mindestens 2 Jahre in den letzten 10 Jahren in die Pflegekasse eingezahlt haben

7. Behindertenausweis

Die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • Wird beim Versorgungsamt beantragt → www.versorgungsaemter.de
  • G=gehbehindert, AG= außergewöhnlich gehbehindert, BL= blind, H= hilflos

8. Arbeitgeber informieren

Die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • Nach 6 Monaten Betriebszugehörigkeit darf der Arbeitgeber nachfragen
  • Ausnahme: Krankheit hat Auswirkungen auf Beruf, bsp. Pilot

Sozialdienste – eine wichtige Hilfe für Krebskranke

Nach der Diagnose Krebs geht es nicht nur darum, diese zu verarbeiten und Therapieentscheidungen zu treffen, es kommen schnell auch ganz praktische Fragen zu sozialen und finanziellen Sorgen hinzu. Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse? Wie organisiere ich den Alltag zu Hause mit den Kindern oder einem pflegebedürftigen Angehören? Was passiert mit meinem Job, wenn ich länger ausfalle? Wie beantrage ich eine Rehabilitation oder den Schwerbehindertenausweis? Muss ich mich jetzt verrenten lassen? Gibt es finanzielle Unterstützung?

Für diese sozialrechtlichen Fragen gibt es Anlaufstellen, die sich mit Sozialleistungen für Krebskranke auskennen bzw. für diese Belange verantwortlich sind.

  • Sozialdienste im Krankenhaus: Helfen unter anderem bei Fragen zur Krankenversicherung, Rehabilitation, Rente, Versorgung zu Hause und Anerkennung einer Schwerbehinderung.
  • Behandelnde Ärzte: Können den Umfang der notwendigen Unterstützung einschätzen und dementsprechende Rezepte bzw. Verordnungen ausschreiben.
  • Krankenkassen: Je nach Krankenversicherung – gesetzlich oder privat, als Angestellter oder Beamter - fallen die sozialrechtlichen Vergünstigen aus wie Krankengeld, Krankentagegeld, Zuzahlungen und Entlastungen wie Haushaltshilfe aus. Krankenkassen sind auch Ansprechpartner für die Pflegeversicherung.
  • Gesetzliche Rentenversicherung: Sie übernimmt meist die Kosten für Rehamaßnahmen und ist für eine eventuelle Erwerbsminderungsrente zuständig.
  • Berufsgenossenschaften: Falls der Verdacht besteht, dass die Krebserkrankung eine Berufskrankheit ist, muss das der Berufsgenossenschaft gemeldet werden, die den Verdacht prüft.
  • Deutsche Krebshilfe: Bei unverschuldeter finanzieller Not aufgrund der Krebserkrankung kann der Härtefonds der Deutschen Krebshilfe weiterhelfen.

Weitere hilfreiche Informationen finden Sie im Internet auf der Seite des Beta Institutes.

Wer hilft noch im Labyrinth des Sozialsystems?

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Für Patienten und Angehörige gibt es bei sozialrechtlichen Fragen auch eine unabhängige und kostenfreie Beratung bei:

  • den Krebsberatungsstellen, eine Adressliste finden Sie unter www.krebsinformationsdienst.de.
  • der unabhängigen Patientenberatung Deutschland, sie berät im gesetzlichen Auftrag; www.patientenberatung.de.
  • dem Infonetz Krebs der Deutsche Krebshilfe www.krebshilfe.de.
  • und bei den Bürgertelefonen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG; www.bmg.bund.de )unter der Telefonnummer 030/340 60 66 01 (Krankenversicherung) und 030/340 60 66 02 (Pflegeversicherung) und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS; www.bmas.bund.de ) unter der Telefonnummer 030/211 911 001 (Rente) und 030/211 911 004 (Arbeitsrecht) und 030/211 911 006 (Behinderung).

Quellen:

  1. Deutsche Krebshilfe. Wegweiser zu Sozialleitungen. Die blauen Ratgeber, Nr. 40; www.krebshilfe.de
  2. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg; www.krebsinformationsdienst.de
  3. Deutsche Krebsgesellschaft; www.krebsgesellschaft.de