Unklarer Lungenrundherd
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Unklarer Lungenrundherd

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Autor Unklarer Lungenrundherd
B.
17.03.2015 - 03:32 Uhr

Guten Tag, sehr geehrte Dres. med.,

Ich, männlich 36 Jahre (Nieraucher) alt, bin aufgrund eines "unklaren" Befundes und unterschiedlicher ärztlicher Aussagen verunsichert.

In Folge persistierenden Reizhustens (Lungenfunktionstest o.B.), der auch auf verschiedene Glukokortikoide zur Inhalation nicht ansprach, wurde im CT 05/2014 ein solitärer Rundherd 10mm im linken. Oberlappen zentral - eher zum Interlobium hin (2 cm entfernt) gefunden. Radiologisch glatte Ränder, aufgelockerte, gelappte und leicht inhomogene Struktur. Keine Verkalkung.

PET-CT mit FDG18 in 07/2014 negativ. SUV in der Region des Herdes max. 0,7.

Der Lungenfacharzt meinte damals, ich solle abwarten und eine Verlaufskontrolle durchführen lassen. V.a. Hamartom.

Verlaufskontrolle CT 03/2015 unveränderte Struktur, weiterhin keine Verkalkung, 11-12mm. Mein Lungenfacharzt meinte trotz zunehmender Beschwerden (Husten, starke Schleimbildung), ich solle abwarten.

Mein Hausarzt (Internist) rät zur operativen Entfernung und würde mich auch gerne an die Thoraxchirurgie überweisen. Er argumentiert, dass das Hamartom nur Mutmaßung sei, man diese prophylaktisch wegen des Risikos zur Entartung ohnehin entfernen sollte und gibt zu bedenken, dass z.B. ein Karzinoid oder eine kleine Metastase sich radiologisch ähnlich wie ein Rundherd zeigen und PET-CT in diesen Fällen falsch negativ sein könnten.

Ich sitze jetzt verunsichert zwischen den Stühlen. Wie ist Ihre Einschätzung?

Frau Dr. med. Serke
17.03.2015 - 10:25 Uhr

Es gibt keine einfache Antwort: man könnte zuwarten oder den Herd entfernen.

Meine Meinung ist: wenn ein Rundherd über 10 mm groß ist und an Größe zunimmt, sollte er entfernt werden.

Es gibt keine eindeutigen röntgenologischen Malignitätskriterien, auch das PET ist zwar hinweisend, selten falsch negativ, aber nicht 100 %ig. Sie haben keine Risikofaktoren für einen Lungenkrebs (Nichtraucher, keine bösartige Erkrankung bekannt), das könnte für eine Beobachtung sprechen. Abwägen muss man zwischen dem OP-Risiko, das zwar unter 1% liegt, aber dennoch vorhanden ist und der Strahlen- und psychischen Belastung einer regelmäßigen CT-Kontrolle.

Mein Hauptargument ist die Größenzunahme. Hier würde ich eine 2. Meinung einholen. Sind sich alle einig, dass der Herd größer wird, würde ich ihn entfernen!

Gast
18.04.2015 - 02:19 Uhr

Hallo Frau Dr. med. Serke,

vielen Dank für Ihre damalige Antwort.

Zwischenzeitlich wurde ich operiert und es erfolgte im Rahmen einer klassischen Thorakotomie eine Bisegmentresektion S1 + S3 im linken Oberlappen sowie eine Lymphadenektomie.

Ich bin froh, mir doch mehrere Meinungen eingeholt und mich für die OP entschieden zu haben. Gemäß histologischem Befund ein kleines hochdifferenziertes muzinöses Adenokarzinom 1cm.

Das VORLÄUFIGE Staging lautet: T1a, pN0, L0, V0, Pn0, R0, G1. VORLÄUFIG, weil es folgenden Nebenbefund gibt, der mich besorgt - Zitat aus dem Entlassungsbericht (wörtlich): "Kleine rundliche Raumforderung am medialen Schenkel der linken Nebenniere. An Zahl auffällige Lymphknoten mesenterial und paraaortal."

Ich wurde jetzt operiert und mit diesem Nebenbefund aus den Staging-Untersuchungen entlassen. Trete am 20.04.2015 die Anschluß-Heilbehandlung an. Danach (nach der AHB) soll der Nebenbefund abgeklärt werden. Ansonsten ergaben CCT, CT Abdomen und Skelett-Szintigraphie keine (weiteren) Filiae.

Aufgrund der Diagnose bin ich immer noch schockiert. Habe zwei bis drei kurze Fragen, die offen geblieben sind:

1.) Wie wird dieser Nebenbefund an der Nebenniere erfahrungsgemäß abgeklärt? Was würden Sie empfehlen?

2.) Vgl. 1. Post von mir. Da seit erster Feststellung des Lungenrundherdes (05/2014) bis zur OP 10 Monate vergangen sind; - kann es trotz des sehr kleinen Primärtumors tatsächlich eine Metastase sein? Oder ist dies ehr unwahrscheinlich, da die mitentfernten Lymphknoten nicht befallen waren? Mich beunruhigt und irritiert in diesem Zusammenhang, dass 07/14 im Rahmen der Ganzkörper PET-CT die Bauchorgane im Bericht als "unnauffällig" beschrieben wurden.

3.) Können Sie aus Erfahrung sagen oder gibt es Studien, wie häufig nach erfolgreicher OP des Primärtumor (in sano entfernt) Rezidive sind?

Für Ihre erneute Einschätzung bedanke ich mich herzlich)

Frau Dr. med. Serke
20.04.2015 - 08:11 Uhr

Es gibt wieder keine einfache Antwort:

Nebennieren sind häufig Metastasierungsort des Lungenkrebses, aber es gibt auch bei bis zu 10% der Bevölkerung gutartige Nebennierenvergrößerungen (Adenome).

Normalerweise würde man meinen, bei negativem PET ist die Wahrscheinlichkeit einer Bösartigkeit minimal- aber auch Ihr Lungentumor war PET- negativ, sodass in Ihrem Fall das PET offenbar keine gute Methode ist.

Warum? Bei einem Nichtraucher mit einem Tumor mit nur sehr geringer Wachstumstendenz liegen meist gut differenzierte Tumore vor, entsprechend auch der G1-Einschätzung. Diese wachsen so langsam, dass das PET, welches den Glukoseverbrauch, d.h. die Wachstumsaktivität des Tumors misst, falsch negativ bleibt.

Zur Abklärung einer NN-Raumforderung würde ich empfehlen: Genaue Durchsicht beider CTs mit der Frage einer Größenzunahme, bei Größenzunahme MRT-Abdomen , ev. EUS-gesteuerte Punktion, man kann auch NN operativ entfernen.

Bei der OP eines kleinen (unter 2 cm großen Tumors) beträgt die Heilungswahrscheinlichkeit, statistisch gesehen, ca. 85%.