Helmuth Mohn, 71, Handwerksmeister:
"Mit meiner Frau bin ich einfach glücklich. Seit 47 Jahren. Jedes Jahr. Jeden Tag."

Leben mit Lungenkrebs

Lungenkrebs für AngehörigeWas die Diagnose Lungenkrebs für den einzelnen Betroffenen bedeutet, ist sehr unterschiedlich. Jeder verarbeitet diese Diagnose auf seine Weise. Im Laufe des Krankheitsprozesses vermag es zu Verhaltensänderungen des Betroffenen kommen, welche gerade bei den Angehörigen Unsicherheit, Angst oder Wut auslösen können. Wie diese möglichen veränderten Verhaltensweisen der Betroffenen zu deuten sind, soll hier dargestellt werden.

Die Diagnose Lungenkrebs ruft verschiedenste Reaktionen hervor. Lungenkrebsbetroffene müssen sich in dieser Situation mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen. Für gesunde Menschen ist dieses Gefühl zumeist nur schwer nachzuvollziehen. Nicht nur Ängste kann die Diagnose Lungenkrebs auslösen, sondern es können auch Gefühle auftreten wie Trauer, Wut, Hilflosigkeit, Verlust der Selbstbestimmung, Unsicherheit, körperliche Unvollkommenheit sowie Minderung des Selbstbewusstseins. Es scheint, als drohe das ganze bisherige Leben, wie ein Kartenhaus zusammenzustürzen.

Diese Reaktionen sind Versuche der Seele, die Diagnose in einer gewissen Art und Weise zu verarbeiten und sich an diese neue Situation anzupassen.

Mögliche Veränderungen der Betroffenen

Lungenkrebs zieht eine längere Behandlungsdauer nach sich. Wir sprechen hierbei von einer chronischen Stressbelastung, die unterschiedliche Auswirkungen auf den Betroffenen haben kann. Einige mögliche Veränderungen seien hier zu nennen:

  • erhöhte Verletzbarkeit / Sensibilität (kleinste Probleme lassen Stressgefühle entstehen, erhöhte Neigung zum Weinen)
  • sozialer Rückzug (sich zurückziehen, niemanden sehen wollen, allein sein, seltener an gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen)
  • Verleugnung (Versuch, die Lungenkrebserkrankung wegzuschieben, „nicht wahrhaben-wollen“, Vermeidung, über das Thema Krebs zu sprechen)
  • Aggressionen (aus einer Unsicherheit heraus oder aus dem Gefühl heraus, hilflos zu sein, kommt es dazu, dass Wut und Aggression auf andere Menschen gerichtet werden, dies geschieht meist unbeabsichtigt)
  • Schamgefühle (aufgrund körperlicher Veränderungen kommt es möglicherweise zu Schamgefühlen)
  • Veränderung der Sexualität (körperliche Beeinträchtigungen und Erschöpfung führen eventuell zum Verlust des sexuellen Interesses, das Bedürfnis nach Zärtlichkeit, Geborgenheit und Liebe nimmt jedoch meist zu)
  • eigene Schuldgefühle (beim Suchen nach einer Antwort auf die Frage „Warum habe ich Krebs?“ oder „Was habe ich falsch gemacht?“ werden auch eigene Verhaltensweisen als Ursache für den Krebs überprüft)
  • Vermindertes Selbstbewusstsein (Verlust der Arbeitskraft, körperliche Beeinträchtigungen erzeugen eventuell den Eindruck „schwach zu sein“ oder „weniger wert zu sein“)

 

Wie kann ich helfen?

Lungenkrebs Umgang durch AngehörigeDer offene Austausch über Gefühle ist äußerst bedeutungsvoll. Bieten Sie dem Betroffenen immer wieder ein Gespräch an, aber zwingen Sie ihn nicht dazu. Die Tatsache, über mögliche Veränderungen bei Krebsbetroffenen informiert zu sein, ist als solche bereits hilfreich. Bestimmte Reaktionen wie z.B. verbale Aggression des Betroffenen sollten nicht zu persönlich genommen werden. Stellen Sie dem Betroffenen die Frage: „Was macht dich gerade so wütend und wie kann ich dir helfen?“.

Darüber hinaus sollte der Alltag möglichst positiv gestaltet werden. Gemeinsame kleine Unternehmungen, kleine Freuden des Alltags bewusst erleben und genießen, gibt Kraft und macht Mut. Der Fokus sollte dabei auf das gerichtet werden, was durchführbar oder machbar ist, und nicht auf das, was alles nicht mehr geht. Dabei sollten Sie sich bewusst auf eine veränderte Lebensweise einstellen und sich darauf einlassen. Wer krampfhaft versucht, am alten Leben vor der Erkrankung festzuhalten, wird irgendwann feststellen, dass dies unnötig Kraft kostet.

Lesen Sie mehr zum Thema unter:

Quellen:
Beckmann I-A: „ Hilfen für Angehörige. Antworten. Hilfen. Perspektiven. Die blauen Ratgeber Band 42.“ hrsg.v. Deutsche Krebshilfe e.V. (2010).

Tschuschke V: Psychoonkologie. Psychologische Aspekte der Entstehung und Bewältigung von Krebs. 3. Auflage. Schattauer Verlag, Stuttgart (2010).

Autor:
Marlen Jordan

Abbildungen:
1. © Robert Kneschke – Fotolia.com
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Quelle: http://www.lungenkrebs.de