Leben mit der Diagnose
×

Leben mit der Diagnose

Die Diagnose Lungenkrebs ruft verschiedenste Reaktionen hervor. Lungenkrebsbetroffene müssen sich in dieser Situation mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen. Für gesunde Menschen ist dieses Gefühl zumeist nur schwer nachzuvollziehen. Die Diagnose Lungenkrebs kann nicht nur Ängste auslösen, sondern es können auch Gefühle auftreten wie Trauer, Wut und Hilflosigkeit, ebenso die Gefühle körperlicher Unvollkommenheit und des Verlusts der Selbstbestimmung, und es kann zu Unsicherheit und Minderung des Selbstbewusstseins kommen. Es scheint, als drohe das ganze bisherige Leben wie ein Kartenhaus zusammenzustürzen. Diese Reaktionen sind Versuche der Seele, die Diagnose in einer gewissen Art und Weise zu verarbeiten und sich an diese neue Situation anzupassen.

Mögliche Veränderungen des Krebskranken

Lungenkrebs bringt eine längere Behandlungsdauer mit sich und bedeutet eine chronische Stressbelastung, die unterschiedliche Auswirkungen auf den Betroffenen haben kann. Mögliche Veränderungen können sein:

  • erhöhte Verletzbarkeit / Sensibilität - kleinste Probleme lassen Stressgefühle entstehen, erhöhte Neigung zum Weinen;
  • sozialer Rückzug - sich zurückziehen, niemanden sehen wollen, allein sein, seltener an gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen;
  • Verleugnung - Versuch, die Lungenkrebserkrankung wegzuschieben, „nicht wahrhaben-wollen“, Vermeidung, über das Thema Krebs zu sprechen;
  • Aggressionen - aus einer Unsicherheit heraus oder aus dem Gefühl heraus, hilflos zu sein, kommt es dazu, dass Wut und Aggression auf andere Menschen gerichtet werden, dies geschieht meist unbeabsichtigt;
  • Schamgefühle - aufgrund körperlicher Veränderungen kommt es möglicherweise zu Schamgefühlen;
  • Veränderung der Sexualität - körperliche Beeinträchtigungen und Erschöpfung führen eventuell zum Verlust des sexuellen Interesses, das Bedürfnis nach Zärtlichkeit, Geborgenheit und Liebe nimmt jedoch meist zu;
  • eigene Schuldgefühle - beim Suchen nach einer Antwort auf die Frage „Warum habe ich Krebs?“ oder „Was habe ich falsch gemacht?“ werden auch eigene Verhaltensweisen als Ursache für den Krebs überprüft;
  • Vermindertes Selbstbewusstsein - Verlust der Arbeitskraft, körperliche Beeinträchtigungen erzeugen eventuell den Eindruck, „schwach zu sein“ oder „weniger wert zu sein“.

Wie kann ich helfen ?

Der offene Austausch über Gefühle ist äußerst wichtig. Bieten Sie dem Krebskranken immer wieder ein Gespräch an, aber zwingen Sie ihn nicht dazu. Die Tatsache, über mögliche Veränderungen bei Krebsbetroffenen informiert zu sein, ist als solche bereits hilfreich. Bestimmte Reaktionen wie z.B. verbale Aggression des Betroffenen sollten nicht zu persönlich genommen werden. Stellen Sie die Frage: „Was macht Dich gerade so wütend und wie kann ich Dir helfen?“

Darüber hinaus sollte der Alltag möglichst positiv gestaltet werden. Gemeinsame kleine Unternehmungen, kleine Freuden des Alltags bewusst erleben und genießen – diese Dinge geben Kraft und machen Mut. Der Fokus sollte dabei auf das gerichtet werden, was durchführbar oder machbar ist, und nicht auf das, was alles nicht mehr geht. Dabei sollten Sie sich bewusst auf eine veränderte Lebensweise einstellen und sich darauf einlassen. Wer krampfhaft versucht, am alten Leben vor der Erkrankung festzuhalten, wird irgendwann feststellen, dass dies unnötig Kraft kostet.

unterstuetzung_spaziergang

Quellen:

  1. Deutsche Krebshilfe; Hilfen für Angehörige. Antworten. Hilfen. Perspektiven. Die blauen Ratgeber, Nr. 42 (2010)
  2. Künzler A, Mamié S, Schürer C. Diagnose-Schock: Krebs. Hilfe für die Seele – Konkrete Unterstützung – Für Betroffene und Angehörige. SpringerMedizin; Springer Verlag Heidelberg und Berlin (2012).
  3. Tschuschke V: Psychoonkologie. Psychologische Aspekte der Entstehung und Bewältigung von Krebs. 3. Auflage. Schattauer Verlag, Stuttgart (2010).