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Dr Onko Dr. Onko erklärt: Warum die Untersuchung von Genmutationen für die Therapie von Lungenkrebs wichtig ist.

Warum muss der Tumor auf genetische Veränderungen der Zellen untersucht werden?
Dr. Onko: Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs. Nicht nur die Klassifizierung und genaue Stadieneinteilung des Tumors ist wichtig, um für jeden Betroffenen die bestmögliche Therapie zu finden. Relevant ist auch die Untersuchung, ob bestimmte Genveränderungen in der Tumorzelle vorliegen. Diese sogenannten „Treibermutationen“ wie z.B. „EGFR“, „EML4-ALK“, „ROS1“ oder „BRAF-V600“ können für das Wachstum des Tumors verantwortlich sein. Bei Nachweis einer derartigen Mutation ist eine gezielte Behandlung mit einem passenden „Kinase-Hemmer“ möglich. Eine derartige „zielgerichtete Therapie“ wird als Tablette oder Kapsel eingenommen und kann den Krebs im Vergleich zu einer intravenösen Chemotherapie erheblich wirksamer bekämpfen.

Was ist ein EGF-Rezeptor?
Dr. Onko: Der EGF (Englisch: Epidermal Growth Factor)-Rezeptor ist ein Eiweiß auf der Oberfläche von Zellen und steuert das Zellwachstum. Durch eine genetische Veränderung, die sogenannte „EGFR-Mutation“, kann er dauerhaft aktiviert werden. Dies führt dann zu einem unkontrollierten Wachstum und einer Vermehrung der Zellen, sprich zu einem beschleunigten Tumorwachstum. Circa 10 bis 15 Prozent aller Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) haben diese Mutation. Vor Therapiebeginn sollte durch den behandelnden Arzt eine molekulare Testung veranlasst werden, um zu prüfen, ob eine aktivierende EGFR-Mutation vorliegt.

Warum ist eine molekulare Testung bei Lungenkrebs so wichtig?
Dr. Onko: Nur wenn eine Treibermutation wie z.B. eine EGFR-Mutation erkannt wird, kann die optimale Behandlung mit einem passenden Kinase-Hemmer erfolgen. Im Fall einer aktivierenden EGFR-Mutation ist dies ein „EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor“. Alle anderen Behandlungsmöglichkeiten wie z.B. die Chemotherapie oder eine moderne Immuntherapie gehen nicht verloren -  man hat sie bei Bedarf in der Hinterhand. Eine molekulare Testung kann auch im späteren Krankheitsverlauf noch einmal notwendig werden, da sich Tumoren manchmal genetisch verändern und Resistenzen gegen die aktuelle Therapie entwickeln können. So kann z.B. unter der Behandlung mit älteren EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren die EGFR-Mutation mit der Bezeichnung „T790M“ auftreten. Bei Nachweis dieser Mutation kann auf einen modernen EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor gewechselt und der Krebs wieder kontrolliert werden.

Wie läuft die molekulare Testung in der Regel ab?
Dr. Onko: Bei der molekularen Testung wird das Erbgut des Tumors, also die Tumor-DNA, vom Pathologen untersucht. Dafür wird meist Gewebe aus einer Bronchoskopie oder einer Feinnadelbiopsie verwendet. Für eine genaue Analyse ist aber eine ausreichende Menge von Tumorzellen notwendig. Sollte nicht genügend Tumormaterial verfügbar sein oder schreitet die Erkrankung fort, kann eine erneute Probenentnahme (Re-Biopsie) notwendig werden. Alternativ können die Tumorzellen auch anhand einer Blutprobe (sogenannte „Liquid Biopsy“, flüssige Biopsie) untersucht werden, beispielsweise wenn der Gesundheitszustand des Patienten keine Biopsie zulässt. Das Ergebnis der Analyse sollte dem behandelnden Arzt innerhalb von zehn Arbeitstagen nach dem Einsenden der Probe vorliegen.

Wer sollte getestet werden?
Dr. Onko: Bei fast allen Patienten mit einem fortgeschrittenen, nicht operablen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom sollte vor Beginn der Therapie ein Mutationstest durchgeführt werden. Lediglich bei starken Rauchern mit einem sogenannten „Plattenepithelkarzinom“ ist die Wahrscheinlichkeit, eine Treibermutation zu finden, verschwindend gering. Die molekulare Testung sollte unbedingt mit dem Arzt besprochen und von ihm veranlasst werden, damit eine möglicherweise vorhandene Treibermutation, die wertvolle Behandlungsmöglichkeiten eröffnet, nicht übersehen wird.


Weitere Informationen zum Thema molekulare Testung finden Sie hier:
https://www.lungenkrebs.de/diagnose/testung#EGFR

Mehr über die zielgerichtete Therapie mit Tyrosinkinase-Hemmern lesen Sie auf:
https://www.lungenkrebs.de/therapie/therapieuebersicht#Zielgerichtete-Therapie

Zurück ins Leben nach der Krebsbehandlung

Ist der Krebs besiegt, wartet der Weg zurück ins Leben. Doch dieser gestaltet sich oft schwieriger als gedacht. Denn für viele Betroffene ist der Alltag nicht mehr so, wie er vor der Erkrankung einmal war. Seelische wie körperliche Narben haben ihre Spuren hinterlassen. Spätfolgen wie Fatigue oder Unfruchtbarkeit können zur Belastung werden.

Gespräche mit Freunden und Familie, psychologische Unterstützung aber auch der Austausch mit anderen Betroffenen können helfen, den Weg zurück in den Alltag zu finden. Zu diesem Zweck lädt die Deutsche Krebsgesellschaft am 7. Juni 2018 zum nunmehr vierten Mal zum German Cancer Survivors Day in Berlin ein. Hier schildern Menschen, die den Krebs überwunden haben, ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung und ihrer Bewältigung. Gleichzeitig möchten sie andere Betroffene dazu ermutigen, offen mit der Diagnose umzugehen und sie bewusst in ihren Alltag zu integrieren.

German Cancer Survivors Day
7. Juni 2018
im Sony Center am Potsdamer Platz, Berlin

Ein Schwerpunktthema der diesjährigen Veranstaltung ist die berufliche Wiedereingliederung nach der Genesung. Daneben steht das Thema Fertilität im Fokus. Zu Gast sind u. a. eine medizinische Kosmetikerin sowie die Selbsthilfegruppe „Bewegte Frauen“, die unter den Teilnehmenden für körperliche Auflockerung sorgen werden. Ein Höhepunkt des Aktionstages ist die Verleihung des Darmkrebs-Präventionspreises für herausragende Projekte und Forschungsergebnisse im Bereich Darmkrebs.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf der Webseite der Deutschen Krebsstiftung.

Für alle Interessierten: Die Teilnahme ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich.

Weitere Ratschläge für den Alltag nach der Krebstherapie finden Sie unter Leben mit der Erkrankung und Krankheitsbewältigung.

Diese 5 Fragen sollten Sie Ihrem Arzt stellen

Nach der Diagnose Lungenkrebs schwirren viele Fragen im Kopf. Was müssen Sie mit Ihrem Arzt besprechen? Wie bereiten Sie sich auf den Arztbesuch vor? Und wie vergessen Sie im Gespräch keine wichtigen Punkte?

Mit diesen 5 wichtigen Fragen sind Sie für Ihren nächsten Arztbesuch gewappnet:

FRAGE 1: Ist mein Befund sicher oder gibt es noch Unklarheiten?

Diese Frage sollten Sie Ihrem Onkologen unbedingt stellen, denn ein zuverlässiger Befund ist unerlässlich für eine effektive Behandlung. Eine Röntgenbildaufnahme allein lässt nicht immer eine hundertprozentig aussagekräftige Diagnose zu. Bei Unklarheiten oder einer unsicheren Diagnose sollte Ihr Arzt weitere Untersuchungen anordnen, bevor Sie mit einer Behandlung starten.

FRAGE 2: Wo genau befindet sich der Tumor? Und wie groß ist er?

Sie sollten sich bei Ihrem Onkologen über die Lage und Größe des Tumors erkundigen, weil diese Angaben entscheidend für Ihre Behandlungsoptionen sein können. Vor allem wenn Sie bei verschiedenen Ärzten vorstellig werden, ist dies meist eine der ersten Fragen, die Ihnen gestellt wird. Außerdem ist die Größe und Lage wichtig, um bildgebende Befunde mit denen aus vorhergegangen Untersuchungen vergleichen zu können. Denn erst im Vergleich können Veränderungen der Tumorlage und -größe erkannt werden. So kann Ihr behandelnder Arzt besser über die Behandlung entscheiden. Die Größe bzw. Ausdehnung des Tumors wird durch den sogenannten T-Wert angegeben (T1-T4); T0 würde für Sie bedeuten, dass kein Tumor nachgewiesen werden konnte.

FRAGE 3: In welchem Stadium befindet sich der Tumor?

Bei Lungenkrebs gibt es verschiedene Stadien (I-IV), die den Schweregrad der Erkrankung angeben. Je nach Schweregrad unterscheiden sich die Behandlungsoptionen.

FRAGE 4: Haben sich schon Metastasen gebildet?

Diese Frage geht mit dem Schweregrad bzw. dem Stadium der Erkrankung einher. Für die bestmögliche Behandlung ist es wichtig, festzustellen, ob neben dem vom Tumor befallenen Organ (wie beispielsweise der Lunge) auch noch weitere Organe von den Krebszellen betroffen sind. Dies muss Ihr Onkologe bei der Wahl der Therapie berücksichtigen.

FRAGE 5: Ist es sinnvoll, weitere Untersuchungen durchzuführen?

Wenn die Diagnose nicht eindeutig ist oder Sie sich unsicher sind, sollten Sie Ihren Arzt nach weiteren möglichen Untersuchungen fragen, denn gerade im Bereich Lungenkrebs können unterschiedliche Untersuchungsmethoden aufschlussreich sein. Beispielsweise kann das Tumorgewebe selbst mittels einer Biopsie (Gewebeprobeentnahme) genauer untersucht werden. Aber auch durch die Untersuchung therapiedefinierender Biomarker anhand im Blut zirkulierender Tumor-DNA (Flüssigbiopsie) oder anhand molekulargenetischer Untersuchungen können Tumore genauer untersucht werden. Eine exakte Bestimmung und Klassifizierung des Tumors ist wichtig, um die bestmögliche Therapie zu finden.

Checkliste kostenlos als PDF herunterladen 

Perspektiven der Lungenkrebs-Forschung in 2018

Krebsimmuntherapie im Fokus

Körpereigene Schutzmechanismen des Körpers stehen im Mittelpunkt der aktuellen Forschung im Kampf gegen den Lungenkrebs. In zahlreichen klinischen Studien wird derzeit die Wirksamkeit von sogenannten „Immuntherapeutika“ untersucht. Diese Medikamente sollen verhindern, dass Krebszellen wichtige körpereigene Abwehrzellen ausschalten und in der Folge ungehindert wachsen können.

Nicht die Krebszellen, sondern die körpereigene Abwehr steht im Fokus des Behandlungsansatzes der Krebsimmuntherapie oder Immunonkologie. Deren Ansatzpunkt ist es, an bestimmten Kontrollpunkten („Checkpoints“) wichtige Mechanismen des Immunsystems zu reaktivieren, damit es selbst gegen den Krebs vorgehen kann. Bei einigen Tumorerkrankungen, wie z.B. Hautkrebs, Blasenkrebs und Lungenkrebs sind diese Checkpoint-Hemmer in der EU bereits zugelassen. Bei anderen Krebsarten, wie z.B. Darmkrebs, Brustkrebs und Leukämie werden ihre Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit intensiv erforscht.

Checkpoint-Hemmer blockieren die Tarnung von Krebszellen

Das menschliche Immunsystem ist grundsätzlich in der Lage, entartete Körperzellen (Tumorzellen) zu erkennen und zu eliminieren. Bestimmte Abwehrzellen, die T-Zellen, unterscheiden über „Checkpoints“ normalerweise „Freund“ von „Feind“ – sprich körpereigene Strukturen von schädlichen Fremdkörpern. Daraufhin wird das Immunsystem entweder aktiviert oder die Immunreaktion wird gebremst. Krebszellen können das Immunsystem jedoch überlisten und in einer Weise an die T-Zellen andocken, dass diese die Krebszellen nicht als „Feind“ erkennen und keine Immunreaktion auslösen.

Immuntherapeutika setzen genau hier an. Sie können die Verbindung der Krebszellen mit den T-Zellen an den „Checkpoints“ gezielt blockieren. So kann das Immunsystem wieder gegen den Krebs vorgehen. In der Regel werden Checkpoint-Hemmer gut vertragen. Durch eine überschießende Aktivierung der körpereigenen Immunantwort können in manchen Fällen allerdings auch immunvermittelte Nebenwirkungen auftreten – so zum Beispiel Entzündungen der Haut (Dermatitis), des Darms (Enterokolitis), der Lunge (Pneumonitis), der Niere (Nephritis) und in selteneren Fällen auch Entzündungen der Leber (Hepatitis), der Hirnanhangdrüse (Hypophysitis) oder der Schilddrüse (Thyreoiditis). Die meisten immunvermittelten Nebenwirkungen lassen sich mit einer systemischen Steroidtherapie gut behandeln.

Forschungsschwerpunkte bei Lungenkrebs

Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (kurz: NSCLC) macht bis zu 85 % aller Lungenkrebserkrankungen aus. 2018 werden weitere wichtige Studiendaten für Immuntherapeutika zur Behandlung dieser Art von Lungenkrebs erwartet. Auf dem Deutschen Krebskongress Ende Februar in Berlin diskutierten die Experten der Lungenkrebsforschung vor allem, wann und wie lange eine Immuntherapie gegeben werden kann und wer für eine solche Behandlungsoption in Frage kommt.

Daneben untersuchen Forscher aktuell die Kombination verschiedener Checkpoint-Hemmer miteinander sowie mit anderen Behandlungsansätzen wie der Chemotherapie. Auf Basis der für 2018 erwarteten neuen Studiendaten können in der Lungenkrebstherapie weitere Fortschritte erzielt werden.